Automatisierung bedroht Arbeitsplätze

19. April 2017 | Von | Kategorie: Arbeit, Job und Karriere

JobImmer wieder kann man lesen, dass die zunehmende Automatisierung unsere Arbeitsplätze bedroht. So prognostiziert eine im Januar 2016 veröffentlichte Studie des Weltwirtschaftsforums in Davos im Zuge der „vierten industriellen Revolution“ den Abbau von etwa fünf Millionen Jobs in den 15 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern bis Ende 2020.

Eine andere aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey zum Verlust der Arbeitsplätze kommt zu ebenfalls gravierenden Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation.

Für diese Studie wurden über 2.000 Tätigkeiten in ca. 800 Berufen analysiert. Dieser Studie zufolge wird die Automatisierung zwar nicht sofort, aber bis zu einem Zeitraum von etwa 35 Jahren jede zweite Tätigkeit betreffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Wie zu erwarten, sind körperliche Arbeiten besonders von der Automatisierung betroffen. Was vielleicht manchen überraschen mag, ist die Tatsache, dass Datenverarbeitung und Datensammlung ebenfalls besonders betroffen sein wird. Am Beispiel der größten Bank der Vereinigten Staaten, der JP Morgan Chase & Co, lässt sich die Auswirkung bereits heute erahnen. Eine Bank benötigt bisher viele teure Experten, z.B. Anwälte oder Wirtschaftsexperten, um Kreditanträge der Bankkunden zu prüfen bzw. zu bewerten. Nun hat JP Morgan Chase & Co ein Programm namens „COIN“ (Contract Intelligence) entwickelt. Dieses Programm ist dem Bereich der sog. künstlichen Intelligenz zuzuordnen. COIN lernt selbstständig aufgrund der zur Verfügung stehenden Daten immer besser, seine Aufgaben zu erledigen. COIN reduziert die benötigte menschliche Arbeitszeit zur Prüfung der Kreditanträge und hat sogar die bisher vorkommenden menschlichen Fehleinschätzungen deutlich reduziert.

Jeder, der eine Hotline angerufen hat, wurde vermutlich schon einmal von einem System mit Spracherkennung „bedient“. Bisher sind die Erfahrungen der Kunden durchaus nicht immer positiv, aber der Fortschritt auf diesem Gebiet ist beachtlich. Generell lässt sich feststellen dass die Automatisierung früher eher Jobs im gewerblichen Bereich gekostet hat (einfache manuelle Tätigkeiten), dass aber durch die Digitalisierung mittlerweile aber auch hochwertige Arbeitsplätze im Büro gefährdet sind. Am wenigsten automatisierbar sind der Studie zufolge übrigens komplexe Management-Tätigkeiten.

Das tatsächliche Ausmaß der Substitution menschlicher Arbeit durch Maschinen oder Roboter hängt auch stark von politischen Rahmenbedingungen ab. So fordern einflussreiche Experten bereits eine Art „Robotersteuer“. Der Gründer von Microsoft, Billy Gates fordert: „Wenn ein Roboter ins Spiel kommt und dieselbe Arbeit macht, die sonst ein Mensch machen würde, sollte man doch denken, dass man den Roboter auf einem ähnlichen Niveau besteuert“. Auch der Chef der Deutschen Post, Frank Appel sprach sich schon für eine „Robotersteuer“ aus. Durch eine derartige Besteuerung würde sich die Automatisierung natürlich verteuern und damit weniger umfassend eingesetzt werden. Verstärkt werden könnte dieser bremsende Effekt noch dadurch, dass man mit dem Geld aus der eingenommenen „Robotersteuer“ die Steuerbelastung der menschlichen Arbeit reduzieren könnte.

Auf der anderen Seite lässt sich einwenden, dass es seit Beginn der Industrialisierung schon immer den Trend der Automatisierung gegeben hat. Schon häufig wurde dabei die Angst vor dem Jobverlust thematisiert. Und tatsächlich gab es auch immer wieder große Verwerfungen, indem viele Jobs durch den technischen Fortschritt obsolet wurden. In der Vergangenheit wurden die Effekte aus der Rationalisierung aber immer wieder aufgefangen durch ganz neue Jobs oder durch bessere Arbeitsbedingungen. In der Regel wurden letztlich neue Arbeitsplätze auf einer höheren Entwicklungsstufe geschaffen mit weniger körperlicher Belastung und oftmals besserer Bezahlung. So bleibt zu hoffen, dass es auch in Zukunft gelingt, neue Beschäftigungsmöglichkeiten in ausreichender Anzahl und für alle Bevölkerungsschichten zu schaffen. Hier sind die Politik, die Gesellschaft und die Unternehmen gleichermaßen gefordert. Als Arbeitnehmer ist man vermutlich gut beraten wenn man beruflich flexibel bleibt und das allerorten propagierte lebenslange Lernen ernst nimmt.

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